Marcel Hänggi
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Die revolutionäre Kraft des Pissoirgestanks

14/9/2009

 
«Technology Review» vom 14. September 2009
Bild
(c) Wikimedia
Es war eine der folgenreichsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte: Mit der Ammoniaksynthese konnten die unerschöpflichen Stickstoffreserven der Luft nutzbar gemacht werden. Nie zuvor hatte der Mensch so massiv in einen natürlichen Stoffkreislauf eingegriffen. Synthetisches Ammoniak veränderte den Krieg, die Industrie, den Charakter der Landwirtschaft und die Umwelt.

Am 14. September 1909 meldeten Fritz Haber und Carl Bosch beim deutschen Reichspatentamt ein Verfahren an, mit dem sich in industriellem Massstab der Gestank ungepflegter Pissoirs reproduzieren liess. Es sollte sich als eine der folgenreichsten Erfindungen der Menschheit herausstellen. Fritz Haber war es gelungen, Ammoniak (NH3) künstlich herzustellen – ein ätzendes, giftiges und stark übel riechendes Gas, das in der Natur beim Abbau von Harnstoff entsteht. Zusammen mit Carl Bosch entwickelte er die Ammoniaksynthese zu einem Industrieverfahren weiter, ohne das der erste Weltkrieg anders verlaufen und die Bevölkerung im 20. Jahrhundert nicht in dem bekannten Ausmaß explodiert wäre. Die Welt im frühen 21. Jahrhundert sähe der Welt des frühen 20. Jahrhunderts sehr viel ähnlicher, gäbe es kein synthetisches Ammoniak.

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«Wir suchen wieder Bodenhaftung»

12/2/2009

 
Interview mit David Sarasin – «WOZ Die Wochenzeitung» sowie «Telepolis» vom 12. Februar 2009
BildFoto: Universität Zürich
Unter den unzähligen Büchern, die im «Darwinjahr» 2009 erscheinen, gehört «Darwin und Foucault» des Historikers Philipp Sarasin* zweifellos zu den originellsten. Im Vorwort nennt es Sarasin ein «Experiment», zwei der «aggresivsten ‹Säuren› der Theoriebildung in eine Schale zu giessen». Für Sarasin stammt Michel Foucault, wie es auf dem Klappentext heißt, «von Darwin ab». Weder Darwin noch Foucault hätten zwischen Natur und Kultur eine scharfe Grenze gezogen – und so liegt denn die ironische Pointe des Buchs darin, dass Sarasin Foucault gegen die (foucaultianischen) KulturalistInnen liest, für die alle Realitäten letztlich nur Zeichen und Diskurse sind, und Darwin gegen die (darwinistischen) BiologistInnen, die glauben, der Mensch lasse sich allein aus der Biologie respektive der Evolution heraus verstehen. Das wird etwa dort besonders lustvoll, wo Sarasin dem Turbo-Darwinisten und missionarischen Atheisten Richard Dawkins nachweist, dass er in seinem Weltbild eigentlich nicht auf einen Gott verzichten könne …


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Ikone oder Leuchtturmwärter?

13/1/2005

 
Interview mit Gerd Grasshoff über Alfred Einstein – «WOZ Die Wochenzeitung» vom 13. Januar 2005

Gerd Grasshoff ist Professor für Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte an der Universität Bern und präsidiert das Exekutivkomitee «Forum Einstein 2005 Bern». Zusammen mit Ann M. Hentschel hat er «Albert Einstein. Jene glücklichen Berner Jahre» sowie den Führer zum Einstein-Pfad Bern herausgegeben.

Herr Grasshoff, darf ich mit einer saloppen Frage ...

Gerd Grasshoff: Alles ist salopp (lacht).

Wie meinen Sie?

Es ist schwierig, sich Einstein zu nähern, ohne gleich in Klischees zu verfallen - das zeigen auch die Fragen, die mir jeweils gestellt werden. Der Einstein, den man überall sieht, ist ja schon der ikonisierte, der irgendwie als Klischee dargestellte Einstein.
Bild

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1/11/1902

 

    Autor

    Marcel Hänggi
    ​

    Dr. phil. h.c.
    ​Journalist und Buchautor
    Ausstellungsmacher
    ​Mitarbeiter Schweizerische Energie-Stiftung
    ​
    Zürich


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