Marcel Hänggi: Wir Schwätzer im Treibhaus.
Warum die Klimapolitik versagt

«meinklimatag.ch» vom 29. Oktober 2008

Buchtipp

Wir leben in Westeuropa seit gut 200 Jahren in einer historischen Ausnahmezeit wirtschaftlichen Aufschwungs. Errungenschaften wie soziale Sicherheit und rasante technische Fortschritte wurzeln in vielen Teilen der Welt. Doch der Klimawandel stellt die Menschheit vor Probleme, die es in diesen Dimensionen noch nie gab. Er ist kein isoliertes Problem, sondern Ausdruck einer Lebens- und Wirtschaftsweise, die ihre eigenen Grundlagen zerstört.

Im Grunde ist Klimaschutz eine einfache Angelegenheit: weniger fossilen Kohlenstoff verbrennen. Doch zur Umsetzung braucht es Lösungen, die noch nie da gewesen sind. Marcel Hänggi vereint in seinem Buch Ansichten und Erkenntnisse aller Wissenschaftsdisziplinen und beleuchtet kritisch und respektvoll die Rollen verschiedenster Akteure, vom „problematischen Propheten“ Nicholas Stern bis zur „Konsensmaschine“ IPCC und vom Wirtschaftsnobelpreisträger Ronald Coase bis zum Friedensnobelpreisträger Al Gore. Er versteht es, in seinem Buch eine einzigartige Breite und Tiefgründigkeit in leicht verständlicher Sprache zu vermitteln. Bildhafte Analogien und eine meisterhafte Ordnung der aufgezeigten Gedankengänge eröffnen neue, sehr integrale und kristallklare Sichtweisen der Klimaproblematik als grösste Herausforderung seit Menschengedenken.

Hänggi gibt keine fertigen Antworten und Rezepte. Doch sein Buch liefert eine sehr fundierte Diagnose, warum der Klimaschutz bis heute versagt hat, und formuliert klare Wegweiser für eine wirksame Therapie. Gemäss Hänggi braucht es vielseitige und differenzierte, teilweise auch sehr rigorose Massnahmen. „…Wir müssen stärker zurückfahren als auf das gerade noch Verträgliche. Das wird für die fossilen Treibstoffe wohl heissen, diese ganz zu verlassen. Das ist ohne Verbote nicht zu haben. Doch eine Welt, die verbietet, was schadet, scheint mir sehr viel liberaler als eine, die gar nichts tut, bis nichts mehr geht.“ Und wer Konsumkritik nicht mit Lustfeindlichkeit verwechselt, wird im dramatischen Fazit auch eine erfreuliche Aussicht finden.

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