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«Zeozwei. Magazin für Umwelt, Politik und Neue Wirtschaft» Nr. 3 (September) 2008
Kühle Analyse zum Klimawandel
Ein sehr intelligentes Buch
hat der Züricher Journalist Marcel Hänggi zur Klimapolitik
geschrieben. Kann man bei der Buchstabenlawine zu diesem Thema
überhaupt noch etwas Neues mitteilen? Man kann, wenn man ein
unabhängiger und origineller Kopf wie Hänggi ist, der sich
von Niemandem vereinnahmen lässt. Auch nicht von der
Umweltbewegung. So kriegen denn alle der Reihe nach ein wenig den Kopf
gewaschen. Die Klimaskeptiker mit ihrer ewigen
Alles-halb-so-wild-Neurose, aber auch Al Gore oder Nicholas Stern, die
neuen Pop-Stars der Klimapolitik oder die
Emissionshandelsgläubigen. Hänggi wirft Gore vor allem
Unehrlichkeit vor. Der »american way of life« stehe beim
früheren US-Vizepräsidenten letztlich nicht zur Disposition,
stattdessen verbreite er den irrigen Glauben, es könne im Prinzip
auf unserem Planeten alles weiterlaufen wie bisher – nur mit
erneuerbaren Energien, anderen Autos und mehr Effizienz, statt der
Kohle-, Gas- und Öl-Orgie.
Das rein ökonomische
Denken in vielen Berechnungen der Klimaschäden seziert der Autor
mit klinischer Präzision. Dabei konfrontiert er uns mit den
Feinheiten jener absurden Berechnungen, in denen ein Seeadler 12,4
Dollar wert ist, ein Buckelwal es auf 48 Dollar bringt und der Wert
eines Afrikaners zehnmal niedriger taxiert wird als der eines
Westeuropäers. Dabei ist Hänggi nie moralisch, er behält
den kühl distanzierten Swing seiner Schreibe bis zum Schluss. Das
Buch ist keineswegs schweizlastig, es zeichnet bei vielen Punkten des
Klimawandels auch historische Linien nach und bringt viele neue
Gedanken – eine höchst anregende, aktuelle Analyse der
Klimapolitik. -man-
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