| MAZ-Nachdiplomkurs Wissenschaftsjournalismus 2007 / 2008 / 2009 / 2010 Kurstag von Marcel Hänggi: Wissenschaftsjournalismus im Wandel der ZeitWie beeinflusst die Wissenschaft die Gesellschaft und umgekehrt? Und was lernen wir für den Journalismus daraus?Alle Angaben ohne Anspruch auf Vollständigkeit! Inhalt 1. Ein paar Adressen der Wissenschaftsforschung 2. Lektüretipps 3. Webressourcen zur Recherche nach Interessenverbindungen von Wissenschaftlern 4. Unterlagen zu Offenlegungspflicht und Öffentlichkeitsprinzip 5. Ein Leitfaden zur Bewertung medizinjournalistischer Arbeiten 6. Eigene Zeitungsartikel 7. Kursunterlagen • Programm für Wissenschaftsforschung der Uni Basel pages.unibas.ch/wissen/ Sabine Maasen, Prof. für Wissenschaftssoziologie • Zentrum für die Geschichte des Wissens, ETH und Universität Zürich. www.zgw.ethz.ch David Gugerli, Prof. für Technikgeschichte, ETH Michael Hagner, Prof. für Wissenschaftsforschung, ETH Michael Hampe, Prof. für Wissenschaftsphilosophie, ETH Philipp Sarasin, Prof. für Geschichte, Universität Zürich Jakob Tanner, Prof. für Geschichte, Universität Zürich • Collegium Helveticum, ETH und Universität Zürich www.collegium.ethz.ch Hier arbeiten Wissenschaftsforscher wie Martina Merz, Monika Kurath, Rainer Egloff und andere, zudem organisiert das Collegium interessante interdisziplinäre Veranstaltungsreihen. Ludwik-Fleck-Archiv. • Observatoire Science, Politique et Société, Université de Lausanne www.unil.ch/osps Ce centre de recherche a pour principal objectif de comprendre l'évolution et le fonctionnement des Hautes écoles suisses et étrangères ainsi que les relations qu'elles entretiennent avec les instances politiques en particulier et la société en général. Directeur: Jean-Philippe Leresche, professeur de politologie. • Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin www.mpiwg-berlin.mpg.de/index_html Erste Adresse für Wissenschaftsgeschichte im deutschen Sprachraum. • Institut für Wissenschaftstheorie der Uni Wien, gegründet von Helga Nowotny, der Grande Dame der deutschsprachigen Wissenschaftsforschung und ehemaligen ETH-Professorin. www.univie.ac.at/Wissenschaftstheorie/ Einer der Lektoren an diesem Institut, Klaus Taschwer, ist zudem Wissenschaftsjournalist und Mitglied des Leitungsteams des Wiener Universitätslehrgangs Wissenschaftskommunikation sowie Mitgründer des kleinen, feinen Wissenschaftsmagazins «Heureka». Also eine ideale Ansprechperson für Journalisten! • Philosophie Uni Genf Marcel Weber ist Wissenschaftsforscher und Prof. für Philo an der Uni Genf. 2. Lektüretipps (die Unterkategorien dieser Liste lassen sich nicht immer genau trennen!) 2.1. Wissenschafts- und Technikgeschichte David Edgerton: The Shock of the Old. Technology and Global History since 1900. 244 Seiten. London 2006. Ein tolles Buch zur Technikgeschichte des 20. Jahrhunderts von einem führenden Technikhistoriker. Edgerton räumt mit einigen Vorstellungen über unsere «innovative» Gesellschaft auf: «Much what is written on the history of technology is for boys of all ages», lautet der schön polemische erste Satz. Edgerton fordert eine Betrachtung der Technik, die sich vom Fetisch Innovation löst und statt dessen fragt, wie Technik tatsächlich benutzt wird. Ludwik Fleck: Entstehung einer wissenschaftlichen Tatsache. Einführung in die Lehre vom Denkstil und Denkkollektiv. 190 Seiten. Frankfurt/Main 1980 (Erstausgabe 1935). Fleck war Bakteriologe und Wissenschaftshistoriker. Sein schmales, gut zu lesendes Werk, das erst 1980 «wiederentdeckt» wurde, ist ein Must für alle, die sich dafür interessieren, wie wissenschaftliches Wissen entsteht. Fleck zeigt am Beispiel der Entdeckung des Syphillis-Erregers, dass es den wissenschaftlichen Einzelkämpfer nicht gibt und wissenschaftliche Entdeckungen immer eine soziale Leistung sind. Michael Hagner: Geniale Gehirne. Zur Geschichte der Elitegehirnforschung. Göttingen 2004. 375 Seiten. Fallstudie einer schillernden Wissenschaftsdisziplin vom Zürcher (ETH-) Wissenschaftshistoriker. Lily Kay: Das Buch des Lebens. Wer schrieb den genetischen Code? 541 Seiten. München 2001. (Who Wrote the Book of Life? A History of the Genetic Code, Stanford 2000). Etwas vom Besten, was es in der neueren Wissenschaftsgeschichte gibt; hochspannend, sehr anspruchsvoll. Kay, selber Molekularbiologin, untersucht minutiös, wie die Sprachmetaphorik in die Molekularbiologie Einzug hielt und zeigt die Einflüsse anderer Wissenschaften wie der Kybernetik. Roy Porter: Die Kunst des Heilens. Eine medizinische Geschichte der Menschheit von der Antike bis heute. 818 Seiten. Heidelberg 2000. Guter Überblick über die Welt-Medizingeschichte von einem der Großen seines Fachs (leider 2002 verstorben). Philipp Sarasin: Darwin und Foucault. Genealogie und Geschichte im Zeichen der Biologie. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2009. 456 Seiten. Ein intelligenter, aber schwieriger Beitrag des Zürcher Historikers zum Darwinjahr 2009. Bemerkenswert ist, dass Sarasin darin eigene frühere Positionen kritisiert - das Buch ist auch eine Auseindandersetzung des Kulturwissenschaftlers Sarasin mit seinem Fach. Sarasin ist der Meinung, dass zwei extreme Positionen der Weltbetrachtung - der Biologismus (der Mensch lässt sich vollständig aus seiner Biologie erklären) und der Kulturalismus (alles ist Kultur), die sich gerne auf Darwin respektive Foucault berufen, ihre Kronzeugen verkürzt wahrnehmen. Foucault war nachweisbar ein Bewunderer Darwins. Philip Sarasin: «Anthrax». Bioterror als Phantasma. Frankfurt/Main 2004, 194 Seiten Ausgehend von den Anthrax-Anschlägen nach 9/11 untersucht der Autor, wie eine Angst vor Bioterror, die Sarasin letztlich auf eine Science-Fiction-Lektüre Präsident Bush's zurückführt, die US-Politik bestimmt - und reflektiert dabei das Verhältnis von infektiologischer und martialischer Abwehrrhetorik. Steven Shapin: Die wissenschaftliche Revolution. Frankfurt/Main 1998. Knappe, leicht verständliche Darstellung der Ereignisse in der (damals so genannten) Naturphilosophie des 17. Jahrhunderts – Galilei, Newton usw., in der traditionell die Geburt modernen (wissenschaftlichen) Denkens erkannt wird. Erster Satz: «Die sogenannte wissenschaftliche Revolution hat es nie gegeben, und davon handelt dieses Buch.» Dava Sobel: Longitude: The True Story of a Lone Genius Who Solved the Greatest Scientific Problem of His Time, New York 1995 (deutsch: Längengrad, Berlin 1996) Ein Beispiel, wie sich Wissenschaftsgeschichte vor allem sehr schön erzählen lässt (das Buch wurde verfilmt). Niklaus Stettler: Natur erforschen. Perspektiven einer Kulturgeschichte der Biowissenschaft an Schweizer Universitäten 1945–1975. Zürich 2002. Interessante Studie über die Veränderung eines wissenschaftlichen Fachs in seinen Fragestellungen und seiner Organisation (die auch einiges über die Veränderungen der Forschungslandschaft in der Schweiz insgesamt erhellt). Frank Uekötter: Die Wahrheit ist auf dem Feld. Eine Wissensgeschichte der deutschen Landwirtschaft. Göttingen 2010. Sehr (für Nicht-Agrarhistoriker/innen wohl: zu) umfangreiche historische Studie über Agronomie und landwirtschaftliche Praxis im 20. Jahrhundert. 2.2. Wissenschafts- und Technikphilosophie Paul Feyerabend: Gegen den Methodenzwang. Skizze einer anarchistischen Erkenntnistheorie. Frankfurt/Main 1976. Hauptwerk des großen und erfrischenden Wissenschaftsphilosophen der Postmoderne (und Vater des «Anything goes»). War ETH-Prof, was nicht alle Kolleginnen und Kollegen an der ETH zu schätzen wussten… Elisabeth Fox Keller: Liebe, Macht und Erkenntnis. Männliche oder weibliche Wissenschaft? Frankfurt/Main 2006. Standardwerk feministischer Wissenschaftskritik. Alfred Nordmann: Technikphilosophe zur Einführung. Hamburg 2008. Wenn man «Einführung» nicht so versteht, dass es einfach zu lesen sei, hält das Buch, was der Titel verspricht. Alan Sokal: Fashinoable Nonsense, New York 1998 (deutsch: Eleganter Unsinn. Wie die Denker der Postmoderne die Wissenschaften missbrauchen, München 1999 Sokal war die zentrale Figur im so genannten «Science War» Ende der 1990er Jahre. Es war dem Physiker gelungen, einen Nonsense-Text, der den Jargon postmoderner (vor allem französischer) Wissenschaftsforschung in einem sehr renommierten sozialwissenschaftlichen Journal zu publizieren. In seinem Buch rechnet er ab mit einer von ihm als arrrogant und ignorant empfundenen Wissenschaftsforschung. Polemisch, anregend, kenntnisreich. 2.3. Soziologie der Wissenschaften und Technik Mike Fortun: Promising Genomics Iceland and deCode Genetics in a World of Speculation. Berkeley / L.A. / London 2008 Der Life-Science-Historiker und Ethnologe Fortun zeichnet die Geschichte des höchst problematischen isländischen «deCode»-Forschungsprojekts nach. Ein ausgesprochen originelles (aber nicht einfach zu lesendes) Stück Wissenschaftsliteratur. Bettina Heintz: Die Innenwelt der Mathematik. Zur Kultur und Praxis einer beweisenden Disziplin. 318 Seiten. Wien 2000. Die Schweizer Wissenschaftssoziologin Heintz, eine Knorr-Cetina-Schülerin, wagt sich mit ihrer Laborforschung an die exakteste aller Wissenschaften. Sie zeigt, dass selbst eine so strenge Disziplin experimentiert, sich auf Intuition verlässt etc. Anspruchsvoll; ich nenne das Buch hier vor allem um zu zeigen, dass selbst die Mathe Gegenstand einer Wissenschaftssoziologie sein kann. Bettina Heintz: Die Herrschaft der Regel. Zur Grundlagengeschichte des Computers. Frankfurt/Main 1993. Leichter zu lesen als obiges von der selben Autorin. Eric E. Johnson: «The Black Hole Case: The Injunction against the End of the World», in: Tennessee Law Review 76 (2009), Seiten 819-908. PDF: http://arxiv.org/pdf/0912.5480v2 Ein rechtswissenschaftliches Fachpaper, hochspannend und witzig geschrieben. Johnson untersucht die Frage, ob eine vorsorgliche Verfügung gegen den Teilchenbeschleuniger LHC vor Gericht eine Chance hätte und wie Gerichte mit dem Fall umgehen könnten. Dabei fasst er sehr gut informiert die Debatte um die Sicherheit des LHC am Cern zusammen. Seine Vorschläge, wie Gerichte mit einer Materie umgehen könnten, die sie inhaltlich nicht nachvollziehen können, taugt meines Erachtens auch für Wissenschaftsjournalisten! Siehe auch http://www.mhaenggi.ch/03_Wissenschaftspolitik/lhc_johnson.html. Steven E. Jones: Against Technology. From the Luddites to Neo-Luddism. New York / London 2006. Interessante Studie eines Literaturwissenschaftlers über Technikfeindschaft (und damit implizit auch: über Technik-Euphorie) in Geschichte und Gegenwart. Philip Kitcher: Science, Truth, and Democracy. Oxford 2001. Gilt als Standardwerk, aber auch als methodisch-theoretisch konservativ (hab's selber nicht gelesen.) Karin Knorr Cetina: Wissenskulturen. Ein Vergleich naturwissenschaftlicher Wissensformen, 384 Seiten. Frankfurt/Main 2002 (Epistemic Cultures. How the Sciences make Knowledge, Cambridge Mass. 1999). Die an der Uni Konstanz lehrende Knorr ist eine Pionierin der Laborforschung – sie besucht Labors und untersucht deren Kultur mit ethnologischen Methoden. «Wissenskulturen» vergleicht die Kultur der Teilchenphysik am Cern mit der Kultur einer molekularbiologischen Forschungsgruppe. Spannend (die Unterschiede sind frappant), aber etwas sperrig geschrieben. Monika Kurath: Wissenschaft in der Krise? Risikodiskurse über Gentechnik im transatlantischen Vergleich. 196 Seiten. Zürich 2005. In ihrer Dissertation vergleicht Kurath, wie die Debatte über Agrar-Gentechnologie in der Schweiz respektive in den USA geführt wird und zeichnet nach, welche Ereignisse die Meinungsbildung beeinflusst haben. Sie widerspricht der Meinung, wer besser über Gentechnologie informiert sei, akzeptiere diese auch eher. Bruno Latour: Wir sind nie modern gewesen. Versuch einer symmetrischen Anthropologie. Frankfurt/Main 2006. Um nur eines der Bücher des Doyens der zeitgenössischen Science-and-Technology-Studies zu nennen. Latours Interesse gilt hier den «Quasiobjekten», die zwischen der Sphäre des «Natürlichen» und der des «Gesellschaftlichen» liegen und von der Moderne ausgeblendet wurden. 2.4. Verhältnis von Wissenschaft und Wirtschaft Marcia Angell: Der Pharma-Bluff. Wie innovativ die Pillenindustrie wirklich ist. 288 Seiten. Bonn 2005. (The Truth about the Drug Industry. How they Deceive Us and what to Do About it. New York 2004). Die ehemalige Chefredaktorin des New England Journal of Medicine beschreibt, wie massiv die Pharmaindustrie auf die klinische Forschung, die Kontrollbehörden und die Politik Einfluss nimmt. Hart im Urteil, verneint sie etwa die Frage, ob Big Pharma eine innovative Industrie sei. Das Buch erschien kurz vor dem Vioxx-Skandal; über Vioxx hat Angell in der «New York Review of Books» (8. Jnui 2006) publiziert: Your Dangerous Drugstore. Leider fast ausschließlich auf die USA fokussiert. Michael Bürgi: Pharmaforschung im 20. Jahrhundert. Arbeit an der Grenze zwischen Hochschule und Industrie. Zürich 2011. Wissenschaftshistorische Dissertation, die die Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen Industrie und Hochschulen in der Schweiz in einem bestimmten Bereich nachzeichnet. Ergänzt sich gut mit Niklaus Stettlers Studie Natur erforschen (s. oben). Sheldon Krimsky: Science in the Private Interest. Has the Lure of Profit Corrupted Biomedical Research? 247 Seiten. Lanham 2003. Das Beste, was es über die Verflechtungen von Wissenschaft und Industrie gibt. Leider fast ausschließlich auf die USA bezogen. Viele Beispiele, leicht zu lesen. Ein Must für alle, die sich für wissenschaftspolitische Fragen interessieren. Philip Mirowski: Science-Mart. Privatising American Science. Cambridge Mass./London 2011. Der Ökonom und Wissenschaftshistoriker und -philosoph ist ein zorniger Kritiker des Neoliberalismus und führt hier die Trends zur «Privatisierung» der Wissenschaften (vor allem) in den USA auf das neoliberale Denken zurück. Gut geschrieben, anspruchsvoll zu lesen; theoretisch viel fundierter als Krimsky. Marie-Monique Robin: Mit Gift und Genen. Wie der Biotech-Konzern Monsanto unsere Welt verändert, München 2009 Die französische Journalistin Robin hat zunächst für einen Dokfilm bei Arte recherchiert und danach ihre Erkenntnisse für dieses Buch verwendet. Darin geht es unter anderem auch darum, wie Monsanto gezielt Einfluss auf die Wissenschaften nimmt. Hans Weiß: Korrupte Medizin. Ärzte als Komplizen der Konzerne. Köln 2008. Über Interessenverstrickungen zwischen Medizinern und Pharmakonzerne - und wie diese Wissenschaft verfälschen. Der Autor ist ein medizinsoziologisch ausgebildeter Journalist, der auch mit verdeckter Recherche arbeitet. 3. Webressourcen zur Recherche nach Interessenverbindungen von Wissenschaftlern Datenbank zur Suche von Patenten weltweit: Espacenet ist die Suchmaske der Patentdatenbank des Europäischen Patentamts in München, das auch Patente anderer Patentbüros enthält. www.patentlens.net/daisy/patentlens/patentlens.html. Patent lens wird von der Forschungs-NGO Cambia zur Verfügung gestellt, die sich für Biotech-Forschung jenseits von Konzernmonopolen stark macht (eine Art Biotech-Open-Source-Projekt). Zentraler Firmenindex mit Links zu den kantonalen Handelsregisterämtern: www.zefix.ch. Hier sind sämtliche registrierten Schweizer Firmen verzeichnet; in den Handelsregisterämtern finden sich alle Angaben zu Gründung der Firma, Kapital, Verwaltungsräten etc. Unentbehrliches Werkzeug aller Wirtschaftsjournalisten, oft auch für Wissenschaftsjournalisten nützlich. Abfrage nach Inhabern von Internet-Domains: networksolutions.com/whois/index.jsp: Wer steckt hinter welcher Website? Erstellen von sozialen Netzwerkanalysen und Suche nach Publikationen im biomedizinischen Bereich: www.biomedexperts.com. Eine riesige (aber vermutlich nicht vollständige) Datenbank von Publikationen in biomedizinischen Fachjournalen. Aufgrund der Ko-Autorschaften zeichnet die interaktive Website schöne Netzwerk-Grafiken. Vorsicht: Wer über ein sehr großes Natzwerk verfügt, verfügt auch über «Macht» im Wissenschaftsbereich, was aber nicht bedeutet, dass er per se auch der «bessere» Forscher ist. Es ist bekannt, dass bspw. Forschungsgruppenleiter oft als Ko-Autoren von Publikationen firmieren, an denen sie gar nicht mitgearbeitet haben. Zur Benutzung von Biomedexperts muss man sich einloggen; ein Account ist gratis. Pharmakritische Liste von Ärzten im deutschsprachigen Raum und ihren Interessenverbindungen zur Industrie: www.bittere-pillen.de/bipi/korrupte-medizin-hans-weiss.html. Die Website erlaubt außerdem eine (kostenpflichtige) Suche in kritischen Informationen zu Medikamenten. Weitere pharmakritische Informationsquellen: Arznei-Telegramm (Deutschland); Pharma-Kritik (Schweiz). Diverse NGOs, die Lobbygruppen, versteckte PR-Aktivitäten und Verflechtungen von Industrie-/Interessengruppen mit Wissenschaft und Medien dokumentieren: Lobbywatch, Center for Media and Democracy - PR Watch, Spinwatch, Integrity in Science Database (Datenbank über Verbindungen von Wissenschaftlern und wissenschaftlichen Instituten zur Industrie), Revolving Door (Wer wechselt in den USA wie zwischen Industrie/Lobbygruppen und Behörden/öffentlichen Instituten hin und her?), Corporateeurope.org (Lobbying in der EU). Wiki zum Lobbyismus: Lobbypedia (Deutschland-lastig); Powerbase (EU-lastig; ein Wiki in Zusammenarbeit mit Spinwatch). Medizinjournalismus auf dem Prüfstand: Der Medien-Doktor, eine Initiative des Lehrstuhls für Wissenschaftsjournalismus an der TU Dortmund, prüft Beiträge in deutschsprachigen Medien • Richtlinien der Akademien Schweiz «Wissenschaftliche Integrität. Grundsätze und Verfahrensregeln»: PDF Ähnliche Gesetze existieren auch in den Kantonen. • Gesetze über das Öffentlichkeitsprinzip in der Verwaltung (kantonal und auf Bundesebene): Das Öffentlichkeitsprinzip, in der Schweiz noch jung (auf Bundesebene: seit 2006) besagt: Alle Informationen der Verwaltung (und dazu gehören beispielsweise auch die Universitäten!) sind, sofern nicht ein paar genau definierte Ausschlussgründe dagegen sprechen, öffentlich zugänglich zu machen. Das geht allerdings im konkreten Anwendungsfall oft nicht ohne juristische Kämpfe ab. Hierzu existiert seit 2011 eine ausgezeichnete Dienstleistung für Journalist/innen in Form einer Website: Alle relevanten Gesetzes- und Verordnungstexte, Fallbeispiele, Musterbriefe und Beratung für Profis! Fälle, in denen Wissenschaftsjournalisten in der Schweiz auf das Öffentlichkeitaprinzip zurückgriffen, um an interessante Informationen zu gelangen, sind mir noch kaum bekannt; ein (erfolgreicher) war dieser: Die Eidgenössische Kommission für Impffragen, die den Bundesrat berät, musste aufgrund der Intervention einer Journalistin und gegen den Willen des Bundesamts für Gesundheit die Interessenverbindungen ihrer Mitglieder offen legen: hier die Stellungnahme des dafür zuständigen Eidg. Datenschutzbeauftragten. • Meine eigene Site mit den Informationen zu meinen Akteneinsichtsgesuchen an die ETH Lausanne (betr. Vertrag mit Nestlé), ETH Zürich (betr. Vertrag mit Syngenta) und Uni Uürich (betr. Vertrag mit UBS): http://www.mhaenggi.ch/transparenz.html. Wie gut, wie schlecht arbeiten Medizinjournalistinnen und -journalisten? Ein Team um den Dortmunder Professor für Wissenschaftsjournalismus Holger Wormer hat ein Verfahren entwickelt, um medizinjournalistische Artikel zu bewerten. Medizin-Doktor.de zeigt anhand von guten und schlechten Beispielen, wie man seine Arbeit richtig macht. 6. Eigene Zeitungsartikel Marcel Hänggi: «Unterwegs zu McScience?», in: WOZ Die Wochenzeitung vom 15. Dezember 2005, Seiten 6-7. Fassung mit Fußnoten und Weblinks: www.woz.ch/files/wirtsch_u_wissensch.doc. Mein Versuch zu ergründen, wie hierzulande mit den Risiken der zunehmenden Annäherung von öffentlicher Forschung und Privatwirtschaft umgegangen wird. Ich verstehe den Artikel als einen Anfang, über in der Schweiz bisher kaum beachtete Zusammenhänge zu recherchieren – und als eine Einladung zum Weiter-Recherchieren, weshalb ich ihn mit detaillierten Quellenangaben versehen habe. «Glossar»: Mein Versuch, Wissen über das Wissen auch in einer unterhaltsamen journalistischen Form aufzubereiten: Das «Glossar» war eine Kolumne in der WOZ in den Jahren 2003 und 2004. Weitere Artikel über das Funktionieren von Wissenschaft, von Evolutionstheorie über Teilchenphysik und Agrarforschung bis zu Wissenschaft in einem kriegszerstörten Land: www.mhaenggi.ch/artikel_uebersicht_wissenschaftspolitik.html 7. Kursunterlagen 1. Zur Einweihung des LHC am Cern und zur Sicherheitskontroverse Frontseitenkommentar im «Tages-Anzeiger» von Barbara Vonarburg Live-Blog von Radio DRS Straßenumfrage des «Blick» zum bevorstehenden Weltuntergang Uwe Justus Wenzel im Feuilleton der NZZ Rechtswissenschaftlicher Aufsatz «The Black Hole Case» von Eric E. Johnson Mein eigenes Cern-Dossier 2. Zur Impfkontroverse «Immun gegen Fakten»: Matthias Meili im «Magazin», mit Aufgabenstellung Quellentexte Der «Tages-Anzeiger» zur Masernepidemie Quellen- und Zeitungstexte zum vorgeschlagenen Impfobligatorium Allenthalben grassiert's - zur sprachlichen Deutungshoheit Kommentar des «Tages-Anzeiger» über «egoistische» Impfverweigerer Die Angst vor dem Impfen hält die Masern am Leben. Schlechter Journalismus: Die Autorin spricht nur mit einer Seite. 3. Homöopathie und die Nazis Das Magazin: Globuli für den Volkskörper. Interessante Fragestellung - hat Homöopathie inhaltliche Affinitäten zum Nationalsozialismus? - aber leider ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen soll. |
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