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Das nächste Buchprojekt: Was ist Fortschritt?
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So, wie die Menschheit heute lebt, kann es nicht weiter gehen. Doch wie kommen wir zu einem nachhaltigen Umgang mit (sozialer wie ökologischer) Umwelt? Wie gelingt Fortschritt hin zu zukunftsverträglichen Lebensweisen? Technik – da besteht kein Zweifel – wird bei der Suche nach Lösungen eine Rolle spielen, so wie sie auch zu den Problemen beiträgt. Doch retten wird uns die Technik nicht einfach so. Ja, gerade der Glaube an technischen Fortschritt, modischer: an Innovation droht, dem Fortschritt im Wege zu stehen: »Der Ruf nach Innovation«, schreibt der britische Technikhistoriker David Edgerton, »ist paradoxerweise ein häufiger Weg, Wandel zu vermeiden, wenn Wandel unerwünscht ist. Das Argument, künftige Wissenschaft und Technik würden mit der globalen Erwärmung schon fertig, ist ein Beispiel dafür. (...) Technik war nicht generell eine revolutionäre Kraft; sie war ebenso sehr verantwortlich dafür, alles beim Alten zu lassen, wie die Dinge zu verändern.« Technikglaube kann vor allem dann anti-fortschrittlich sein, wenn er in Gestalt eines naiven Fortschrittsglaubens daher kommt, wonach wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn zu technischer Innovation führt und Innovation das Leben verbessert – wobei stets das Neue, Bessere das Alte, Schlechtere ablöst. Dieses naive Verständnis ist es, das im Aufstiegs des Begriffs der »Innovation« seit ca. 1965 zum Ausdruck kommt: Je häufiger dieser Begriff im Deutschen verwendet wurde, desto mehr verschwand der »Fortschritt«. |
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Quelle: ngrams.googlelabs.com
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»Fortschritt« aber meint die Gesellschaft; »Innovation« beschränkt sich darauf, das Neue festzustellen. »Fortschritt« kennt den Gegenbegriff des »Rückschritts«: Die Idee, dass Wandel auch in die falsche Richtung gehen kann, ist im Begriff enthalten. Anders bei der »Innovation«: Sie kennt keinen wirklichen Gegenbegriff. »Stagnation« meint lediglich die Abwesenheit von Innovation. Die Begrifflichkeit suggeriert, dass (technischer) Wandel immer gut, sein Fehlen schlecht sei. »Krisen«, schreibt die Sozialwissenschafterin Marianne Gronemeyer, seien »in dieser Lesart immer und ausschließlich ein Novitätsmanko. Wer in der Krise steckt, ist nicht modern genug.« Doch wann wird aus technischem Wandel gesellschaftlicher Fortschritt? Das Buch will 20 bis 25 Geschichten über technischen Wandel erzählen – vom Mittelalter bis heute, vom Buchdruck über landwirtschaftliche Fruchtfolgen, die Anästhesie und das Auto bis zu zeitgenössischer Agrarforschung. Gemeinsam ist den Geschichten, dass sie sich in ein lineares Fortschrittsverständnis nicht einfügen lassen. |
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