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Marcel Hänggi:
Ausgepowert. Das Ende des Ölzeitalters als Chance |
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«Die Zeit» vom 30. Juni 2011 Die Rezension ist nicht online verfügbar. Hier ein Auszug: Der Energieverbrauch wächst. Soll der Planet gerettet werden, gehört das Konsumglück auf den Prüfstand. Marcel Hänggi fragt, ob moderne Gesellschaften das können. Öl von gestern (...) Nächstes Jahr können wir den vierzigsten Jahrestag des Erscheinens des legendären Limits to Growth feiern, jenes Berichtes des Club of Rome, der die Öffentlichkeit so sehr aufgewühlt hat, dass Fragen der Nachhaltigkeit und des Klima- und Umweltschutzes aus keinem Unternehmensleitbild, aus keinem Parteiprogramm, ja, aus keinem anständigen Kindergarten mehr wegzudenken sind. Nur leider: An dem ungebremst steigenden Raubbau an den Ressourcen ändert das nichts. (...) Marcel Hänggi, der schweizerische Journalist, der schon mit seinem Buch Wir Schwätzer im Treibhaus auf die bemerksenswerte und gewiss nicht absichtslose Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln hingewiesen hat, legt nun einen Band vor, der das sich abzeichnende Ende des Ölzeitalters als Chance zum Umsteuern skizziert. Hänggi betrachtet den Gebrauch vonm Energie als soziale Praxis und bleibt daher nicht bei den wohlbekannten Auflistungen von CO2-Emissionen, ökologischen Rucksäcken und so weiter stehen. Er diskutiert in historischer Perspektive die Abfolge unterschiedlicher Energieregime (...). Dabei wird deutlich, dass sich Energieregime nicht ablösen, sondern dass Innovationen in der Energienutzung in der Regel dazu führen, dass die neue Energie parallel zu der alten genutzt wird, das Angebot sich also ausweitet. (...) Das Kapitel über das Auto ist das Beste, was seit Wolfgang Sachs’ Die Liebe zum Automobilzur Durchdringung der Lebenswelt durch die automobile Kultur zu lesen war. (...) solche Dinge müssen gesagt werden. Und Hänggi macht klar, dass gewisse Mobilitätsformen per se nicht nachhaltig sein können: Ein Auto braucht neunzig Prozent seiner Energie, um sich zunächst mal selbst zu bewegen, und nur zehn Prozent für den meist alleinreisenden Passagier, und genausowenig wie der Individualverkehr nachhaltig sein kann, so wenig kann das der Flugverkehr (...). So prägnant und sachhaltig Hänggi die einzelnen Aspekte des Lebens im fossilen Zeitalter darstellt, so klar macht er auch, dass jede Veränderung der modernen Gesellschaften bis hin zur Zukunftsfähigkeit ein politisches Projekt ist. (...) So schreibt Hänggi, und solche Dinge müssen gesagt werden, damit man endlich aufhört, sich eine nachhaltige Zukunft so vorzustellen wie die Rama-Bilder der Solarindustriewerbung. Ein wichtiges Buch, das die Chancen moderner Gesellschaften am Ende des Ölzeitalters beschreibt, Chancen freilich, die nicht wohlfeil sind. Es wird in jeder Hinsicht eine Menge kosten, sie zu nutzen. Harald Welzer |